2009 24 Jul.


Für den Frieden – Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend BaWü

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Photo von Henning Schürig

Nach mehreren blogfreien, aber doch überaus politisch arbeitsintensiven Monaten und Umzug bin ich wieder da und werde versuchen meine Blogmoral nachhaltig zu ändern. Anfangen möchte ich mit einem Bericht und ein paar persönlichen Einblicken auf die Landesmitgliederversammlung (LMV) der Grünen Jugend BaWü, die letztes Wochenende stattgefunden hat.

Für mich war es eine trotz des Stresses am Wochenende und in den Wochen davor eine schöne, wenn nicht gar die schönste LMV. 80 TeilnehmerInnen, viele neue und junge Gesichter, großer Zuwachs, v.a. auch in ländlicheren Gebieten und ein traumhaftes Ergebnis für meinen Co-Vorsitzenden Oliver Hildenbrand und mich: beide mit 93,5 % im Amt bestätigt – ein wunderbares Ergebnis, das für so ein paar durchgearbeitet Nächte entschädigt und zeigt, dass der Landesvorstand die letzten Jahre einen Kurs gefahren hat, der die Mitglieder zufrieden gestellt hat. Inbesondere wenn man weiß, dass bei den Grünen wie bei der Grünen Jugend auch ohne GegenkandidatInnen solche Ergebnisse durchaus unüblich sind – sogar den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer konnten wir hinter uns lassen, dem nur knapp 88%  auf seinem Parteitag vergönnt waren.

Organisation – irgendwie klappt es immer

Nadine Wachtel, unsere Landesgeschäftsführerin, sonst gute Seele und organisatorisches Rückgrat konnte bei dieser Landesmitgliederversammlung krankheitsbedingt nicht dabei sein. Meine anfänglichen Befürchtungen, ohne sie werden wir ein heilloses Chaos erleben, haben sich dank einiger tatkräftiger Landesvorstandsmitglieder zum Glück nicht bewahrheitet. An dieser Stelle sei vor allem Sophie, unserer neuen SchatzmeisterIn aber auch Christian gedankt, die bis in die Morgenstunden gerackert haben  (wie auch die Vorsitzenden ;) ). Aber eine LMV ohne Nadine wollen wir trotzdem nie wieder erleben.

Thema Frieden – gute Positionen, mehr Diskussionen bitte!

Die LMV stand ganz unter dem Stern des Frieden – dieses Thema hat der Landesvorstand gewählt, nicht nur weil es sehr wichtig und interessant ist, sondern auch um die Debatten mal anzuheizen. Dieses ist uns nur begrenzt gelungen.  Bis auf einige wenige Kontroversen hat der Entwurf der Landesvorstandes wohl den Nerv der Mitglieder getroffen. Wir haben einen großen Wurf gewagt, der versucht langfristige Visionen, hin zu einer friedlichen, gerechten und solidarischen Welt mit kurzfristigen, realisierbaren Maßnahmen zu verbinden.

Kernstücke der Resolution sind eine Stärkung der zivilen, politischen und diplomatischen Mittel zur Konfliktprävention und der Schaffung von nachhaltigem Frieden, den wir nicht als die bloße Abwesenheit von Gewalt verstehen. Außerdem fordern wir eine Reform internationaler Gremien (Stärkung der Vereinten Nationen und Auflösung der NATO), schnelle und ernstgemeinte Abrüstung und das Verbot von Waffenexporten. Ebenfalls Bestandteil unserer Beschlusslage ist die Stärkung der sozialen Verteidigung, die Abschaffung der Wehrpflicht, die besondere Rolle von Frauen in Kriegen und Friedensprozessen und eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber Auslandseinsätzen. Da wir wissen, dass der Einfluss der Grünen Jugend (noch) begrenzt ist, haben wir es uns trotz dieser Position erlaubt, Kriterien für Auslandseinsätze der Bundeswehr aufzustellen – wenn wir sie schon nicht verhindern können.

Trennung von Amt und Mandat

Als ich als Landesvorsitzende kandidiert habe, war ich mir sicher, dass diese Frage kommt: Wie stehst du zu der Trennung von Amt und Mandat?

Hintergrund ist, dass bei dem ständigen Zuwachs, den die Grünen, gerade auch in BaWü erfahren, meine Chancen über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen (Mandat) steigen. Die Frage zielt darauf ab, ob ich dann als Landesvorsitzende (Amt) zurücktreten würde – über meine Antwort waren wohl einige überrascht, was mich wiederum verwundert hat.

Irgendwie dachte ich, man kennt mich gut genug. Die Trennung von Amt und Mandat, eine urgrüne Wurzel, an der seit Jahren immer wieder gesägt wird, war mir schon immer wichtig. Wenn es für mich reichen sollte, werde ich deshalb selbstverständlich, dass was ich von anderen fordere, auch für mich gelten lassen und zurücktreten. Ich finde es wichtig, dass Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten auf die Schultern vieler verteilt werden und ich bin mir sicher, wenn es für den Bundestag reichen sollte, kann ich dort mit aller Kraft auch vieles für die Grüne Jugend tun und erreichen.

Die neuen und die alten Vorsitzenden: Oli und ich // Photo von Henning Schürig

Die neuen und die alten Vorsitzenden: Oli und ich // Photo von Henning Schürig

Der neue und der alte Landesvorstand

Der Landesvorstand wurde neu gewählt. Nachdem alle männlichen Beisitzer nach langjähriger, intensiver und engagierter Arbeit aufhören, gab es bei mir ein weinendes Auge, weil langjährige politische und persönliche Weggefährten ausscheiden und ein lachendes Auge, weil es sehr viele gute Bewerber (mehr als Plätze) gab. Die “Alten” hinterlassen große Fußstapfen, ich bin mir sicher dass die “Neuen” mit vielen neuen Ideen, Ansichten und Energien die Wahlkämpfe rocken und den Verband  stärken werden.

Dabei möchte ich an dieser Stelle ganz besonders unserem ehemaligen Schatzmeister Christian Brugger danken, ohne den ich mir die Grüne Jugend kaum vorstellen kann und der für mich persönlich wie politische eine unvorstellbar große Stütze war und ist.

Neben Oli und mir wurde als drittes Mitglied in den Geschäftsführenden Landesvorstand die ehemalige Besitzerin Sophie Schmid mit einem großartigen Ergebnis als Schatzmeisterin gewählt, was mich sehr freut. Auch dass die BesitzerInnen Julia Janczyk und Lena Schwelling wiedergewählt wurden ist super. Komplettiert wird der Vorstand durch Felix Anderl, Jonas Közle und Bennet Müller-  insgesamt alle acht eine sehr vielfältige und energiegeladene Truppe!

Mehr Grüne Jugend bei den Grünen

Früher hat die Grüne Jugend immer ein Votum vergeben, damit einE offizielleR VertreterIn in den Parteirat der Grünen auf dem Parteitag kandidiert. Nach einer Debatte, in der mehrere Optionen zur Auswahl standen, haben wir, auch um die Stimme der Grünen Jugend bei den Grünen zu stärken, beschlossen  2 Voten zu vergeben. Eins davon hat nun Peter Svejda, mittlerweile auch junggrünes Mitglied des Stuttgarter Gemeinderates, das andere habe ich bekommen.

Weitere Beschlüsse – gegen Internetsperren und für regionale Verköstigung

Es gab natürlich auch noch andere Beschlüsse und Debatten, aber bevor dieser Artikel noch mehr viel zu lang wird, schaut einfach bei der Grünen Jugend BaWü nach.

Wer aber trotzdem noch nicht genug hat, findet ihr Hennings Photos bei flickr, Berichte und Eindrücke bei Felix, Marcel, Oliver oder Henning und auf der Seite der Grünen Jugend Baden-Württemberg.


Quellenangabe: Beide Photos von Henning Schürig

Geschrieben am 24. Juli 2009 um 16:52 Uhr in Frieden, Grüne Reflektionen und Berichte, Junge Politik - Tags: , ,

1 Kommentar »

Henning

Ich gehöre zwar nicht zu denen, die sich bei deiner Antwort auf die Frage nach der Trennung von Amt und Mandat gewundert haben, aber ich find’s trotzdem nicht gut.

Auf Dauer wäre das Amt der Landesvorsitzenden mit einem Bundestagsmandat wohl kaum vereinbar, weil – anders als der Grüne-Landesvorstand – der GJ-LaVo sehr stark ein Arbeitsgremium ist, wo auch viele organisatorische Aufgaben übernommen werden.

Allerdings wäre es für die Öffentlichkeitswirksamkeit der GJ sicher hilfreich, wenn du im Fall der Fälle eine Weile im Amt bleiben würdest. Die GJ ist im Vergleich zu den anderen Jugendorganisationen deutlich unbekannter. Auch weil sie jünger ist, aber auch weil ihre Spitzenleute weniger in den Medien erscheinen, was schon auch mit der Mandatslosigkeit zu tun hat (man denke z.B. an Philipp Mißfelder – nicht, dass ich den sonst als Vorbild sehe, aber ohne sein Bundestagsmandat wäre der auch viel weniger sichtbar).

Dass sich einige über deine Antwort gewundert haben, liegt womöglich daran, dass – wie in zahlreichen Studien immer wieder gesagt wird – die Jugend heutzutage recht pragmatisch ist.

Kommentar von Henning — 24. Juli 2009 um 17:29 Uhr

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