2009 21 Feb.


“Die Asozialen”: Mißfelder und Metzger sollten eine eigene Partei gründen…

Kurz vor seinem Austritt bei den Grünen hat Oswald Metzger sich selbst untragbar gemacht, mit provokanten, dummen und pauschalisierenden Aussagen über Hartz IV-EmpfängerInnen. Im Interview mit stern.de sagt er folgendes:

Sozialhilfeempfänger werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf.

Die Grüne Jugend Baden-Württemberg hat ihn daraufhin auch gleich zum Rücktritt aufgefordert.

Nun hat Oswald Metzger, der zur CDU gewechselt ist und sich dort schon längere Zeit relativ unerfolgreich anzubiedern versucht um wieder in den Bundestag einzuziehen, einen neuen Kumpanen gefunden – den Vorsitzenden der Jungen Union und CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder.

Der sagte nun folgendes beim Frühschoppen der Lippramsdorfer CDU:

Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.

Das ist nicht nur dumm, das ist menschenverachtend. Ich frage mich in welcher Welt er und Oswald Metzger eigentlich leben. Als ich dann auch noch gesehen habe, dass Philipp Mißfelder wie ich aus dem Ruhrgebiet kommt, habe ich stark daran gezweifelt, ob er mal je mit einem/einer Hartz IV-EmpfängerIn gesprochen hat – wie können Bundestagsabgeordnete nur so weitab von der Lebensrealität vieler Menschen Politik machen? Hauptsache in die Presse kommen.

Das der Hartz IV- Satz zu gering (insbesondere für Kinder und Familien) ist, sollte doch langsam niemand mehr bezweifeln. Und auch wenn ich jetzt gerne Herrn Mißfelder bitten würde ein paar Monate so als Selbstversuch von Hartz IV zu leben, so würde er nur die materielle Not kennen lernen (was ihn wahrscheinlich auch schon ein stückweit zur Vernunft bringen dürfte…) und nicht die Ängste, die Isolation, die Hoffnungslosigkeit und die Stigmatisierung, die diese Menschen Tag für Tag erleben.

Aber alternativ kann Mißfelder für seine Anliegen auch mit Oswald Metzger eine Partei gründen, mein Namensvorschlag “DIE ASOZIALEN” – denn die Aussagen der beiden haben nichts mehr mit Sozialpolitik zu tun.

Für den ersten Parteitag hätte ich auch gleich ein paar Themen, die zu debattieren wären:

- Kann wer keinen Arbeitsplatz findet, abgeschoben werden?

- Verbot des Zigarettenkonsums für alle Hartz IV-EmpfängerInnen (Sicherstellung durch permanente Videoüberwachung)

- elektronische Fussfesseln für Arbeitslose

- Kohlehydrate nur für Besserverdienende!

- Solidarität in der Gesellschaft ist ein Unding

Ach ja und in Anlehnung an Mißfelders letzte große Presseinitiative können die beiden dann nochmal darüber diskutieren:

Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.

Geschrieben am 21. Februar 2009 um 20:50 Uhr in Soziales und Wirtschaft - Tags: ,

9 Kommentare »

Gunther Schenk

Hallo Agnieszka,

den ehemaligen JuLi-Vorsitzenden Jan Dittwich können sie dann gleich dazu nehmen. (Zur Erinnerung: Das war der mit dem “die Alten sollen endlich die Löffel abgeben.”)

Und aus dem Hause Springer kommt natürlich die mediale Unterstützung. Tenor: “Sozialmissbrauch sollte in Deutschland endlich kein Tabu mehr sein.”

Grüßle,
Gunther

Kommentar by Gunther Schenk — 23. Februar 2009 um 13:14 Uhr

Dennis

Sehr gut, allmählich bemerke ich die Flammen des flammenden Grüns. Der Ehrlichkeit halber (denn nur so nimmt man uns ernst) darf man aber nicht vergessen, dass Mißfelder definitiv kein Urheberrecht auf solche Aussagen hat. “Ein Bedingungsloses Grundeinkommen wäre nur ein Konjunkturprogramm für Brauereien”. Preisfrage: Von welchem aktuellen grünen Bundestagsabgeordneten stammt diese Aussage?
Unterm Strich belegen aber sowohl Mißfelders Aussage, als auch der Erfolg der BGE-Petition, wie auch der Knatsch innerhalb der LINKEn zu ihrem Hartz IV light Konzept undundund, das unverhofft etwas passiert womit wenige gerechnet haben. Die sozialpolitische Debatte “flammt” aufs Neue auf. Ich bin nicht sicher ob meine Partei das so toll findet aber ich, ja ich finde das toll.

Mißfelder kommt übrigens (soweit ich weiß) aus Bochum, das ist zwar auch Ruhrpott aber wie wir beide wissen dürften, größtenteils Zweite Bundesliga
;)

Kommentar by Dennis — 23. Februar 2009 um 15:34 Uhr

Dennis

Hab noch was vergessen:
“Asozialen”-Parteien gibt es schon längst, z.B. die Pogo-Partei. Interessanterweise vertretet aber ausgerechnet diese am konsequentesten das mittelfristig einzig zukunftsfähige und soziale Sozialpolitische Modell, ein BGE, unter dem Tarnnamen “Jugendrente”.
Ich glaube Herr Mißfelder und Herr Metzger würden für diese Partei leider nicht die intellektuellen Anforderungen erfüllen.

Kommentar by Dennis — 23. Februar 2009 um 15:38 Uhr

Andreas Kemper

Es sind leider nicht nur Einzelpositionen von Mißfelder und Metzger. Jedes Jahr kommen führende deutsche Politiker in die Schlagzeilen mit ähnlichen klassistischen Sprüchen. Da immer die Presse mit dabei ist, können wir nicht von Entgleisungen ausgehen, sondern von bewusster Stimmungsmacher mit der Absicht, in die Schlagzeile zu kommen.
Und es sind dann auch immer wieder Organisationen dabei, die den Hetzern Recht geben. Diesmal beispielsweise die “Deutsche Kinderhilfe”, die seit zwei Jahren wegen intransparenter Kontenführung von Staatsanwaltschaft und Datenschützern beobachtet wird und nun als seriöse Organisation Mißfelders abstruse Ideen unterstützt.

Kommentar by Andreas Kemper — 23. Februar 2009 um 18:26 Uhr

Dennis

Alle Klassisten sind Arschlöcher. Überall
;)

Kommentar by Dennis — 24. Februar 2009 um 11:50 Uhr

Agnieszka

Hier wird nicht gepöbelt!

Kommentar by Agnieszka — 24. Februar 2009 um 17:40 Uhr

Gerold

Als Grüner in Wangen im Alllgäu bin ich froh, dass nicht mehr Oswald Metzger unser Bundestags-Direktkandidat ist wie noch 2005 – sondern Agnieszka Malczak. Oswald hat hier noch viele Fans – komischerweise sind kaum Grüne darunter…
Ich freu mich auf morgen auf dein Erscheinen bei unserem lokalen Aschermittwoch!

Kommentar by Gerold — 24. Februar 2009 um 23:03 Uhr

Dennis

Oh Entschuldigung.
Alle Klassisten (Ethnopluralisten, Rassisten und überhaupt alle welche Menschen verschiedenerlei Ausmaße an Rechten und Freiheit zugestehen wollen) sind moralisch und ethisch fragwürdige Menschen.
Das Ausmaß ihrer Fragwürdigkeit ist von diversen grünen BAGen unter Einbezug aller LAGen und dem Arbeitskreis “korrekte Bezeichnung für vulgo “Arschlöcher” bezeichnete Menschen” (KBFVABM) noch zu analysieren und zu Erörtern. Antragsfrist ist übermorgen, Antragstellerkommission von gestern, Redelisten nach Realo/Neofundi, nach Frau/Mann/Dazwischen, Bezirksvoten und liberal/wertkonservatic/links zu quotieren.

Oder anders gesagt: Nicht jede klare unverschwurbelte Aussage ist per se eine Pöbelei. Das zu verstehen täte unserer Partei übrigens wirklich mal gut, Arvids Plädoyer für Sanftheit hin oder her.

LG Dennis *geht schmollen*

P.S.:
@gerold Recht hast du!

Kommentar by Dennis — 25. Februar 2009 um 13:27 Uhr

Wolfgang G. Wettach

Passend dazu die Aussage eines Tübinger Volkswirtschafts-Professors (der nicht mit S anfängt): “Sozial? Dieses schmutzige Wort nehmen Sie mir dieses Semester nicht mehr in den Mund!”

Kommentar by Wolfgang G. Wettach — 27. März 2009 um 16:49 Uhr

Hinterlasse einen Kommentar